Vorsicht bei der Packungsbeilage

Am 13. Oktober 2016 wurde bekannt, dass die norwegische Langlauf-Olympiasiegerin Therese Johaug positv auf die verbotene Substanz Clostebol getestet worden war. Clostebol ist ein androgenes Sterioid, das leistungssteigernd wirkt. Der Dopingtest wurde in der Traingsphase durchgeführt. Die Athletin Therese Johaug gab an, dass sie eine Lippencreme auf Rat ihres Arztes verwendet habe. Darin sei die Substanz enthalten gewesen.

Dopingsperre des nationalen Verbandes

Der norwegische nationale Dachverband (Adjudication Committee of the Norwegian Olympic and Paralympic Committee and Confederation of Sports) erließ am 10. Februar 2017 eine 13-monatige Sperre gegenüber Therese Johaug. Der nationale norwegische Verband begründete die Strafe damit, dass Johaug unachtsam – jedoch nicht vorsätzlich gehandelt habe.

Internationaler Skiverband will härtere Strafe

13 Monate sind für einen Berufssportler eine sehr lange Zeit. Dennoch hat der Dopingausschuss des internationalen Skiverbandes (FIS) nun angekündigt, die 13-monatige Sperre beim Internationalen Sportsgerichtshof (CAS) in Lausanne anzufechten. Der „Lippencreme“ Fall geht also vor die oberste Sportgerichtsbarkeit.

Der FIS-Dopingausschuss ist der Auffassung, dass die Strafe zu gering sei und am unteren Ende der Skala liege. Der FIS-Dopingausschuss begründete seinen Ruf nach einer härteren Strafe damit, dass die Athletin Johaug jedenfalls eine deutlich gestaltete Dopingwarnung auf dem Medikamentenpackung missachtet habe. Diese Warnung war in Rot auf der Verpackung gedruckt gewesen. Hinzu kommt nach Ansicht des FIS-Dopingausschusses, dass eine Berufssportlerin besonders aufmerksam sein muss, wenn sie im Ausland erworbene Medikamente zu sich nimmt.

Wie geht es weiter?

Der Fall Johaug wird ein Fall der internationalen Sportgerichtsbarkeit. Für die Berufssportlerin ist ist mögliche Verlängerung der Strafe im Falle einer erfolgreichen Berufung des FIS brisant. Denn wenn das Strafmaß verlängert wird, wird es für Therese Johaug schwierig, an den Qualifikationsrennen für  die Olympischen Winterspiele 2018 teilzunehmen.

Was sind die Konsequenzen für Berufssportler, Trainer und Ärzte?

Unabhängig vom Ausgang des Verfahrens vor dem CAS wird deutlich, wie wichtig die Sorgfalt bei der medizinischen Betreuung von Berufsathleten ist. Insbesondere zum Sorgfaltsmaßstab für Berufsathleten bei der Medikamenteneinnahme dürfte das CAS Urteil neue Maßstäbe setzen. Denn die Sportgerichtsbarkeit geht von einem aufgeklärten Berufsathleten aus, der nicht leichtfertig ihm unbekannte Medikamte nehmen darf. Der Verweis auf schlichte Unwissenheit hilft dem Athleten meist nicht weiter.

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